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  • "Ich habe zum ersten Mal seit Jahren wieder Kekse gegessen!"

"Ich habe zum ersten Mal seit Jahren wieder Kekse gegessen!"

Im sogenannten „Haus 10“ des Suchthilfevereins OIKOS in Klagenfurt laufen die Vorbereitungen für Weihnachten bereits auf Hochtouren, erklären drei Klienten. Für alle drei ist es das erste Weihnachten in einer solchen Therapieeinrichtung.

„Bereits in der Vorweihnachtszeit haben wir gemeinsam Kekse gebacken und in der Kreativtherapie einiges an Weihnachtsdekoration selbst hergestellt. Sogar den Nikolo hatten wir zu Besuch und wir haben einen wirklich schönen und lustigen Abend mit Keksen, alkoholfreiem Punsch und Gesangseinlagen verbracht“, erzählt Martin, der sich in der ersten Phase der Therapie befindet. „Ich würde zwar gern auch den Heiligen Abend bei meiner Familie oder der Freundin verbringen, allerdings ist es so, dass ich in der Anfangsphase noch nicht die Station verlassen darf und erst nach Weihnachten Besuch von meinen Liebsten bekomme“, erklärt er noch. „Generell ist es sicherlich ein völlig anderes Gefühl Weihnachten in einer Therapiestation zu verbringen, ich freu mich aber auch auf den Heiligen Abend, weil ja doch einige andere Klienten auch in Klagenfurt bleiben und ich mir sicher bin, dass es dennoch lustig wird am 24.Dezember“, fügt er noch hinzu. Die anderen können nur zustimmend nicken.

Elias, der über die Feiertage sogar zur Familie nach Vorarlberg fahren kann, erzählt, dass er bereits seit einigen Jahren schon kein Weihnachtsfest mehr hatte. „In den vergangenen Jahren war ich entweder im Gefängnis oder andere schlimme Dinge sind vorgefallen, weswegen Weihnachten bei mir ausfiel. Wenn du jahrelang Drogen konsumierst, hast du eigentlich auch nichts Spezielles zu feiern, da gleicht absolut jeder Tag einer Party. Allein schon diese Gefühle wieder zuzulassen, ist wirklich nicht einfach, aber ich bin in der glücklichen Lage, dass ich daran jetzt wieder arbeiten kann. Es ist schon ein spezielles Gefühl, wenn du weißt, du kannst heimfahren und das erste Mal seit langer Zeit wieder Heilig Abend im Kreise der Familie verbringen“, erzählt der Vorarlberger. „Was auch ziemlich cool war, dass ich heuer wieder mal Kekse gegessen hab, was ich seit Jahren nicht getan hab“, fügt er noch schmunzelnd hinzu. Eine für uns selbstverständlich scheinende Sache, die diese Menschen erst jetzt wieder zu schätzen lernen.

In der Adventzeit wurden in beiden Therapiehäusern mit den Klienten Kekse gebacken und auch die Therapiestationen weihnachtlich geschmückt und dekoriert. Einen Christbaum haben die Klienten ebenfalls in den Tagen vor Weihnachten gemeinsam mit einem Arbeitstherapeuten im Wald geschlägert. Jeder der 36 stationären KlientInnen findet unter diesem Christbaum ein persönliches Geschenk. Doch neben der Bereitschaft der KlientInnen braucht diese Weihnachtsstimmung auch den Einsatz der Betreuer, Arbeitstherapeuten und der restlichen Mitarbeiter. „Die Betreuer geben alles um uns auch ein schönes Fest zu bereiten und setzen sich wirklich ein. Wir hatten auch die Möglichkeit, dass wir in den letzten Adventtagen unter den Klienten wichteln konnten. Natürlich ist die Vorweihnachtszeit nicht unbedingt angenehm für alle, weil es ja doch schon relativ früh dunkel wird und sich viele BewohnerInnen einfach zurückziehen wollen und viel Zeit für sich selbst brauchen. Doch am Heiligen Abend sind wir dennoch immer alle zusammengesessen und haben gegessen, Spiele gespielt oder einen Filmabend gemacht. Es sind zwar im Endeffekt Fremde, mit denen du da feierst, aber es stellt sich dennoch ein familiäres Gefühl bei einem ein, weil man sich einfach gut aufgehoben fühlt“, fasst Thomas, ein ehemaliger Klient von OIKOS, zusammen.

„Ich denke heuer wird es so ablaufen, dass wir unter Tags auf den Weihnachtsmarkt schauen oder das Hallenbad besuchen und abends dann gemeinsam was essen und Weihnachtsfilme schauen. Also ich glaub schon, dass es ganz schön wird, vor allem einfach weil wir diesen Tag dennoch nicht allein verbringen müssen“, erzählt Christoph, ein weiterer Klient. Auch er bemerkt den positiven Einfluss der Therapie auf seine Gefühlslage und die seiner Angehörigen. „Ich hab in diesem Jahr erstmals wieder von meiner Mama und meiner Tante ein Packerl zu Weihnachten bekommen. Das kam schon seit Jahren nicht mehr vor“, berichtet der Oberösterreicher strahlend. „Die meisten wollen zwar nach Hause, aber im Endeffekt, auch wenn wir hier auf Therapie sind, verbringen wir dennoch ein schönes Fest. Man muss es einfach nur zulassen“, betont Thomas nochmals zum Abschluss.

Man spürt im Gespräch mit diesen Menschen, dass es gerade rund um das Fest der Liebe und Familie, sehr viel Mut und Kraft braucht um sich mit dem Thema Sucht auseinanderzusetzen. Auch wenn sie schon seit geraumer Zeit kein Weihnachtsfest mehr gefeiert haben, ist in jedem von ihnen die Sehnsucht nach all den Werten, die Weihnachten verkörpert, noch vorhanden.

 

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